Die Flämingkönigin 2014 im Gespräch

Andreas

Ich will Eva von Holly interviewen, die junge, sympatische Frau, die am 11. Mai 2014 in Glashütte zur Flämingkönigin 2014 gekrönt wurde. Mich interessiert die Persönlichkeit hinter der Königin.

Wie es der Zufall will, habe ich zuvor ganz in der Nähe von Glashütte, in Baruth zu tun und fahre zum ersten Mal die Autobahn den Fläming in seiner ganzen Ausdehnung ab. Von Baruth nach Norden zum Schönefelder Kreuz, weiter über die Dreiecke Nuthetal, Potsdam und Werder, vorbei an Brandenburg a.d.H. bis zur Abfahrt Burg (bei Magdeburg) und dann auf der Landstraße bis Möckern. 175 Kilometer Fahrtstrecke trennen Ost- und Westende des Flämings, über eineinhalbe Stunde Fahrtzeit. Natürlich wusste ich, dass das „Reich“ meiner Gesprächspartnerin über 100 Kilometer von West nach Ost reicht, aber wirklich erfahren habe ich es an diesem Tag zum ersten Mal.

Denkmal für KIM und Wiesenhof

Denkmal für KIM und Wiesenhof

Zum ersten Mal bin ich auch in Möckern, wo Eva von Holly wohnt und in der ihr Vater Bürgermeister ist. Flächenmäßig ist Möckern die viertgrößte Stadt Deutschlands. Bekannt wurde sie durch den Broiler. Das damalige Kombinat Industrielle Mast (KIM) wird heute durch Wiesenhof betrieben. An der Einfallsstraße ins Zentrum steht ein Denkmal zu Ehren beider Unternehmen. Der Entwürf des Möckeraner Künstlers Rolf Ulrich Otto wurde von einem ortsansässigen Metallunternehmen umgesetzt. Otto war auch der Kunstlehrer der heutigen Flämingkönigin. Wenn man weiter ins Zentrum kommt, fällt zunächst die „Stadtgöttin“ vor dem Rathaus auf, eine Stele, die 1995 von dem Magdeburger Bildhauer Heinrich Apel geschaffen wurde.

Ich treffe mich mit der Flämingkönigin Eva von Holly ganz in der Nähe. Wir sind an einem Ihrer Lieblingsplätze verabredet – in ihrer ehemaligen Schule. Die Grundschule befindet sich im Schloss Möckern. Wir steigen der Schule aufs Dach, Treppe um Treppe. Ganz oben im fünfgeschossigen Bergfried, haben wir eine fantatische Aussicht aufs weite Land. Unter uns liegen die Stadt und der englische Landschaftspark. Trotz des trüben und windigen Wetters beeindruckt uns die herbstliche Färbung der Bäume. Wie mir der Hausmeister versichert, kann man sich auch ohne Flämingkönigin in der Schule anmelden, und, falls es passt, diese Aussicht genießen.

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Oben auf der Plattform über dem Bergfried kann ich meine Fragen an die junge Frau loswerden. Locker und natürlich erzählt die 25-jährige Erzieherin von sich und davon, was sie mit dem Fläming verbindet. Wer sie für den Fläming werben hört, der bekommt einfach Lust auf diese spannende und waldreiche Region zwischen Elbe und Dahme.

Interview

Wir wird man eigentlich Flämingkönigin?

Die Flämingkönigin wird immer vom Bund der Flämingköniginnen ausgeschrieben, meist um den Jahreswechsel herum. Die Ausschreibung erfolgt sowohl über das Internet als auch über verschiedene Zeitungen. Dann kann man sich darauf bewerben. Wenn man seine Bewerbung eingereicht hat, wird man zur Vorstellung eingeladen, meist im März, April.

In der Jury sitzen aus jedem Fläming-Landkreis drei Vertreter. Denen darf man sich zuerst mündlich vorstellen, dann folgt eine schriftliche Prüfung. Von den achtzehn Leuten, die einen prüfen, wird die mündliche Vorstellung ausgewertet und mit Punkten bewertet. Diese werden dann mit den Punkten für die schriftliche Prüfung zusammengefasst. Die schriftliche Prüfung umfasst ungefähr dreißig Fragen, die typisches Flämingwissen abfragen, was man einfach wissen muss aus der Region. Dazu aber auch ein paar Spezialsachen.

Anschließend gibt es einen Rückblick der ehemaligen Flämingkönigin, während dessen man noch zittern darf. Eine Stunden Aufregung – und dann wird bekannt gegeben, wer die neue Flämingkönigin wird. Gekrönt wird die Flämingkönigin auf dem Flämingfrühlingsfest.

Was war die schwerste Frage, die Sie beantworten mussten?

Ich war damals so aufgeregt, und die Vielzahl an Eindrücken an diesem Tag führten dazu, dass ich heute nur sagen kann, dass ich die meisten, aber auch nicht alle Fragen beantworten konnte. So kann ich heute nicht mehr sagen, welches damals die schwerste Frage war.

Ich war gestern wieder im Schloß Baruth, wo die Wahl ja stattgefunden hat. In dem Raum war ich den ganzen Tag, aber manches Detail des Raumes habe ich damals in der Aufregung übersehen.

Wie kamen Sie auf die Idee, sich zu so einer Ausschreibung zu bewerben?

Ich muss im Voraus sagen, dass ich beim Fasching als Kind nie Königin oder Prinzessin sein wollte. Ich bin hier im Fläming aufgewachsen, war 2001 zum ersten Mal in Leitzkau zum Flämingfrühlingsfest, im Jahr danach fand das Fest hier in meiner Heimatstadt, in Möckern statt, und seitdem war ich bei jedem Flämingfrühlingsfest dabei. Ich habe bis 2006 mit dem Karnevalsverein als Tanzmädchen an den Umzügen teilgenommen und später auf dem Wagen meiner Heimatstadt.

Wenn man auf der einen Seite bei den vielen Festen immer mehr vom Fläming kennenlernt, über die Traditionen erfährt und auf der anderen Seite auch in der Freizeit viel im Fläming unterwegs ist, dann wächst die Liebe zur Region, zur Heimat immer mehr. So erging es zumindestens mir in den vergangenen Jahren.

Bei mir kam es dann so, dass ich mir die Frage stellte, warum will ich nicht diese Liebe zur Region andern noch näher bringen und für meine Heimat werben? Dafür einstehen und noch bekannter machen, wie schön es doch zu Hause ist.

Was macht eigentlich eine Flämingkönigin?

Die Flämingkönigin darf meist für ein Jahr, oft aber auch – da viele, viele Termine anstehen – auch in den Jahren danach die Reiseregion Fläming vertreten. Die Reiseregion Fläming umfasst nicht nur, wie es ja bei vielen anderen Königinnen ist, ein bestimmtes Produkt, sondern wirklich eine große Fläche mit vielen attraktiven Freizeitmöglichkeiten für Urlauber und Einheimische, die hier das Leben mit allen Sinnen genießen können.

Also, man steht in dem Jahr für die Heimat als „Fachfrau“ zur Verfügung. Man darf über seine Heimat berichten, dahin einladen.

Der Fläming ist keine geografisch sofort auffallende Region. Teilweise liegt sie in Sachsen-Anhalt, teilweise in Brandenburg. Ist es schwer, für diese Region zu werben oder verkauft sich der Fläming ganz einfach?

Ich denke, es ist auch eine Stärke des Flämings, dass er keine Massentourismusregion ist, sondern dass man hier Ruhe finden kann, dass man nicht auf eine riesige Reisetruppe trifft, sondern einfach mal seinen Urlaub nutzen kann, seine Zeit nutzen kann, zu sich zu kommen, die Landschaft zu genießen, die Traditionen hier kennen zu lernen und nicht im Strudel des Alltags unterzugehen, sondern bewusst den Tag, den Urlaub zu genießen.

Was würden Sie Leuten empfehlen, die – sagen wir auf der Grünen Woche – auf Sie zukommen, Mensch Fläming klingt interessant, wo sollte ich unbedingt hin, ich habe nur zwei Tage Zeit?

Das hängt immer sehr, sehr stark von den Leuten ab, mit denen man spricht, mit denen man unterwegs ist. Auf der einen Seite die Leute, die sagen, ich bin historisch interessiert, ich interessiere mich für das, was war. Da spielen auf jeden Fall Burgen eine Rolle, die man sich dann angucken muss sowie die Schlacht von 1813. Die drei wichtigsten Burgen sind natürlich Wiesenburg, Rabenstein und Eisenhardt, und Großbeeren empfiehlt sich für Interessierte der napoleonischen Schlachten.

Rückblick auf die Inthronisation als Flämingkönigin 2014

Die Insignien der Flämingköniginnen

Die Tracht besteht aus feinsten Stoffen und ist stolze 3,5 Kilogramm schwer. Der Rock ist beachtliche 3,30 Meter breit. Die Tracht wird jeder Königin auf den Leib geschneidert, wobei einige Regeln zu beachten sind, denn sie verrät dem Kundigen so einiges über die Trägerin.

Im Falle von Eva von Holly z.B., dass sie unter 40 Jahre alt, ledig und kinderlos ist. Deshalb nämlich besteht ihre Tracht aus einem roten Unterrock und einer grünen Schürze.

Zudem erhält die Königin eine weiße Bluse und Unterhose , eine schwarze Jacke. Zur Tracht gehören außerdem ein Samtmieder, eine Pompadour genannte Tasche, ein Liefband für die Taille und ein Knuspelband für den Hals, schließlich ein weißes Tuch. Letzteres dürfen nur die Flämingköniginnen tragen. Bis zu sieben Unterröcke wurden früher unter der Tracht getragen um einige dieser zum Beispiel bei Regen wie ein Cape über den Köpf ziehen zu können, damit das Kleid geschützt wird.

Gefertigt wird die Tracht in der Nähstube „Neue Sozialarbeit Brandenburg“ in Luckenwalde, der „Haus- und Hofschneiderei“ der Flämingköniginnen.

Die Reinigung der Stoffmengen soll am besten mit Haarshampoo in der Badewanne funktionieren.

Flämingkrone

Zur Ausstattung einer Flämingkönigin gehören außerdem eine Krone und ein Zepter. Die Krone wird für jede Flämingkönigin von Silvia Nöbel aus Leitzkau eigenhändig gefertigt. Die Symbole in der Krone weisen auf Besonderheiten der Region hin, z.B. auf die Mühlen.

Das Zepter besteht aus Glas und wurde in diesem Jahr neu in Glashütte gefertigt. Es wird von Königin zu Königin weitergegeben.

Bei der "Arbeit"

Mit der Kartoffelkönigin

Auf dem Flämingmarkt in Cammer

Mit der Kartoffelkönigin
Auf dem Flämingmarkt in Cammer am 13. September 2014

Im Interview

Auf dem Flämingmarkt in Cammer am 13. September 2014

Wenn man mit Kindern unterwegs ist, kann man so viel erleben, z.B. neben Schloss Wiesenburg einen Abenteuerspielplatz. Hier in der Nähe von Möckern gibt es in Friedensau einen schönen Hochseilgarten, wo Jugendliche sich in sieben Metern Höhe ausprobieren können, aktiv sein können, an ihre Grenzen gehen können, aber gleichzeitig mitten im Wald, mitten in der Natur sind. Als besonderes Ereigniss empfehle ich gern auch die Draisinebahn in Zossen.

Es gibt für die, die gern in Bewegung sind, die Flämingstrecken, die man nutzen kann. Bekannt ist sicher die Fläming Skate. Aber auch wer gern wandert findet hier viele Möglichkeiten.

Auch für ältere Leute gibt es viele Angebote. Da empfehle ich auf jeden Fall zwischen Wiesenburg und Belzig den Kunstwanderweg. Dort kann man im eigenen Thempo die Landschaft genießen, die auf dem Weg doch sehr unterschiedlich ist, und gleichzeitig verschiedene Kunstwerke besichtigen.

Es hängt also sehr stark von dem ab, der hier Urlaub machen möchte. Ich denke, wir haben für alle Altersgruppen einiges zu bieten.

Oft empfehle ich zeitlich nahe Feste, bei denen Urlauber und Einheimische viel über regionale Besonderheiten erfahren können.

Haben Sie selbst einen Lieblingsplatz im Fläming?

Ich bin gern draußen und unterwegs um die Natur zu genießen. Deshalb habe ich für unser Gespräch auch diesen schönen Aussichtspunkt vorgeschlagen.

Vielen Dank und viel Erfolg!

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