Radfahren auf dem Flämingradweg – Aktiv entspannen

Andreas

Der Flämingradweg führt aus der Mitte des Flämings bis zur Elbe. Er verbindet den Radfernweg R1 in Bad Belzig mit dem Elberadweg bei Walternienburg oder bei Dessau-Roßlau. Er ist der ideale Radweg, um die Schönheiten des Hohen Flämings und des Vorflämings zu entdecken. Mich reizt es schon lange, diese Tour abzufahren. Aber zuerst ist eine Entscheidung zu treffen.

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Die Entscheidung

Wo soll ich starten? Im Fläming oder an der Elbe? Falls an der Elbe, in Dessau oder in Walternienburg? Ich entscheide mich für einen Start in Dessau, mit guten Gründen:

Zum einen will ich fotografieren und filmen. Mit der Sonne im Rücken lassen sich die Motive leichter entdecken. Der Film der Actioncam wirkt auch besser, wenn die Kamera nicht hauptsächlich nach Süden auf die Sonne gerichtet ist. Zum anderen ist der Zugfahrplan zu bedenken. Ich will den Flämingradweg einmal abfahren, zurück soll es mit der Bahn gehen. Während die Bahn aber von Bad Belzig immerhin jede Stunde Richtung Berlin abfährt, passiert das in Dessau nur alle zwei Stunden.

Den kleinen Nachteil, dass ich so auf der 60 Kilometer langen Strecke den Höhenunterschied von 141 Meter aufwärts überwinden muss, nehme ich in Kauf.

Von Dessau bis Garitz (19 Kilometer)

Der Start am Bahnhof in Dessau ist einfach, auch wenn der Flämingradweg selbst nicht ausgeschildert ist. Doch alle Richtungen führen in eine Richtung – und so stoße ich bald am Landhaus Dessau auf den Elberadweg. Hier muss man nach links fahren bis man auf die große Straße nach Roßlau stößt.

Die breite Brücke über Mulde und Elbe ist zwar ziemlich befahren, dennoch ist es ein herrlicher Ausblick auf die Landschaft. Etwas gewöhnungsbedürftig ist, dass man auf dem Radweg über die Brücke nicht rechts, sondern links fahren muss.

Mein Ausgangspunkt für den Flämingradweg: Bahnhof Dessau
Mein Ausgangspunkt für den Flämingradweg: Bahnhof Dessau

Fakten

  • Varianten:
    • Bad Belzig – Dessau und
    • Bad Belzig – Walternienburg
  • Länge: 60 Kilometer (Dessau – Bad Belzig) bzw. 69 Kilometer (Walternienburg – Bad Belzig)
  • Dauer: ca. 4 Stunden
  • Dauer mit Rast und Besichtigungen: 9 Stunden
  • Verlauf: fast ausschließlich auf vorhandenen Straßen und ländlichen Wegen
  • Tiefster Punkt: 59 Meter
  • Höchster Punkt: 152 m (ohne Abstecher auf den 200 Meter hohen Hagelberg)

In Roßlau habe ich einige Probleme, den richtigen Weg durch die Stadt zu finden. Doch zuerst besichtige ich kurz die aus dem 12. Jahrhundert stammende Burg Roßlau, die leider gegenwärtig nur gelegentlich noch für Veranstaltungen genutzt wird, meist aber leer steht. Beeindruckend ist sie trotzdem.

Fläming oder Toskana?

Irgendwie schlage ich mich Richtung Meinsdorf durch, wo ich das Europadorf besichtige und am Restaurant Eichenkranz auch wieder auf den Flämingradweg stoße. Von dort geht es weiter durch das schöne Flämingdorf Mühlstedt mit seiner spätromanischen Feldsteinkirche (um 1280).

An einem Windrad kurz hinter Mühlstedt biegt der Flämingradweg nach links auf einen “multifunktionalen” Weg ein. Es geht gemühtlich durch eine kleine Allee, links und rechts weite Ackerflächen. Mancher Ausblick lässt mich an die Toskana denken. Spätestens jetzt hat mich die Ruhe des Flämings ganz gefangen genommen. Kann es bessere Erholung geben, also so streßfrei vor sich hinzufahren, kaum jemandem zu begegnen und die Gedanken frei kreisen zu lassen?

Später geht es durch einen typischen Kiefernwald. Als ich diesen wieder verlasse ist der nächste Ort erreicht, Natho. Links des Weges ersteckt sich ein weites Feld mit abgeblühten Sonnenblumen. Das Feld auf der rechten Seite lädt mich dagegen zum längeren Verweilen ein. Dort gibt es ein Gehege voller Damhirsche. Es macht Spaß, diese Tiere zu beobachten. Ich nutze die Gelegenheit für eine kurze Rast.

Im nächsten Ort, in Kleinleitzkau drehe ich eine Ehrenrunde. Die Einwohner haben ihre Vorgärten und Straßenfronten wunderbar herbstlich dekoriert. Kurze Zeit später erreiche ich Garitz.

Garitz

In Garitz bin ich mit dem gebürtigen Garitzer und Ortsbürgermeister, Mario Rudolf, verabredet. Mario Rudolf ist selbst begeisterter Radfahrer und einer der Initiatoren des Flämingradweges, als die Idee 2006/2007 geboren wurde. Bis heute ist er sehr engagiert für den Naturpark Fläming.

Alternativroute: Von Walternienburg nach Garitz

Auch die Strecke von Walternienburg nach Garitz bietet vielfältige landschaftliche und kulturelle Eindrücke. Schon der Startpunkt ist ein Kleinod, die Burg Walternienburg. Ein besonderer Höhepunkt ist sicher Zerbst mit den Resten seines alten Schlosses und den Erinnerungen an Katharina die Große (Екатерина Великая), die hier geboren wurde.

Tipp 1

Sie können den Flämingradweg auch zu einer Rundfahrt nutzen. Fahren Sie mit der Bahn bis Dessau. Mit dem Rad fahren Sie dann die Rundstrecke

Dessau – Walternienburg – Zerbst – Garitz – Roßlau – Dessau

Wir treffen uns an der “Alten Stärkefabrik”. Das Gebäude wurde um 1900 vom Bruder des letzten Rittergutsbesitzer erbaut und hat seitdem eine wechselvolle Nutzung erfahren. Heute ist das ehemalige Fabrikgebäude liebevoll saniert und dient als multifunktionales Dorfzentrum und als Infopoint des Naturparks Fläming. Hier kann man als Radfahrer Rast machen und auf Toilette gehen.

Hier findet man auch ein einzigartiges Museum: das Dorfkirchenmuseum. Das Museum beherbergt zahlreiche Miniaturmodelle von Dorfkirchen der Region, eine Fotoausstellung, aber auch historisches Inventar wie alte Kirchenbänke, ein Taufstein oder ein Kanzelaltar aus der Kirche Griebow. Eine ebenso einfache wie überzeugende die Idee, wie ich finde. Neben dem Dorfkirchenmuseum findet man in Garitz noch eine gut sanierte Feldsteinkirche und den alten Dorfbackofen.

Garitz versteht sich als Portalgemeinde, als Portal in den Fläming. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum  hier zwei Varianten des Flämingradweges aufeinander treffen. Den einen Strang bin ich von Dessau-Roßlau her gekommen, der andere führt von Walternienstein nach Garitz. Ab hier führen beide gemeinsam weiter ins Brandenburgische.

Von Garitz bis an die Landesgrenze

Von Garitz geht es nach Polenzko. Für mich wird die Zeit langsam knapp, deshalb muss ich leider die dortige Weihnachtskirche auslassen. Aber das hole ich auf jeden Fall nach. Auch für einen Abstecher nach Bärenthoren bleibt keine Zeit. Dabei hätte ich mir gern die Bärenthorener Kiefernwirtschaft des Forstwissenschaftlers Friedrich von Kalitsch angesehen. Auch das also bleibt für später.

Beim Verlassen von Polenzko stelle ich mich samt Fahrrad einmal auf eine LKW-Wage: glatt 100 Kilogramm. Offenbar sind mein Fahrrad und die mitgeführte Technik verdammt schwer.

Bald hinter Polenzko geht es in den Wald. Für viele bedeutet Fläming schlicht Wald. Jetzt also bin ich im Kern des Hohen Flämings angelangt. Ich genieße die saubere Luft. Der nächste Ort, Grimme, befindet sich im Quellgebiet der Nuthe, einem Nebenfluss der Elbe. Der Ort erweist sich als ein Flämingort voller typischen Landlebens.

In Grimme könnte ich die Strecke abkürzen und direkt nach Golmenglin fahren. Aber ich entschließe mich, weiter dem ausgeschilderten Weg zu folgen. Dieser führt mich nach Reuden/Anhalt, das offenbar magisch auf Motoradfahrer wirkt.

Dann geht es bis Brandenburg nur noch durch Wald.

Der letzte Abschnitt des Flämingradweges in Sachsen-Anhalt wird durch die 1850 Meter lange Kalibrierstrecke Sachsen-Anhalt gebildet. Hier werden die geodätischen Messinstrumente überprüft und kalibriert, die durch den natürlichen Verschleiß und die Alterung der integrierten Elektronik ungenau geworden sind.

Tipp 2

Auf outdooractive.com finden Sie auch eine interaktive Karte samt GPS-Track. Eingezeichnet ist der Flämingradweg in der Variante von Dessau bis Wiesenburg und mit vielen Hinweisen zu interessanten Punkten am Rande der Strecke.

Von der Landesgrenze bis Bad Belzig

Die Kalibrierstrecke stößt direkt auf die Straße nach Medewitz. Zwar ist auch hier die Landschaft sehr schön, aber dass man die ganze Strecke bis Wiesenburg auf der Straße fahren muss ist ein Manko, das hoffentlich noch behoben wird.

Wiesenburg trägt seinen Beinahmen zu Recht: “Perle des Flämings”. Den ab 1863 vom damaligen Schlossherrn, Curt Friedrich Ernst von Watzdorf, geschaffenen und 123 Hektor großen Park sollte man auf keinen Fall auslassen.

Nach Wiesenburg geht es wieder auf einem Radweg weiter. In Klein Glien mache ich einen Abstecher auf den Hagelberg, der bis vor Kurzem noch als die höchste Erhebung des Landes Brandenburg galt. Von hier oben hat man eine herrliche fast 360 Grad umfassende Aussicht auf die umliegende Landschaft. Der Hohe Fläming liegt mir zu Füßen.

Gleich neben dem Berg und dem Dorf Hagelberg befindet sich ein Denkmal zur Erinnerung an die Schlacht von Hagelberg am 27. August 1813 während der Befreiungskriege gegen Napoleon Bonaparte. Da es damals bereits seit Mittag regnete, waren Pulver und Gewehre vielfach feucht geworden, so dass die Soldaten überwiegend mit Bajonetten und Gewehrkolben kämpften. Die Schlacht wird daher auch als Kolbenschlacht bezeichnet.

Die weitere Fahrt führt mich zurück nach Klein Glien und weiter nach Borne. Leider bleibt mir auch hier zu wenig Zeit, z.B. für einen Besuch des Künstlers Victor Bisquolm. Auf jeden Fall aber mache ich einen Abstecher zur Bockwindmühle.

Hinter dem kleinen Angerdorf Bergholz führt mich ein traumhaft schöner Radweg endlich ans Ziel, nach Bad Belzig auf die Burg Eisenhardt.

Tipp 3

Informieren Sie sich auch auf den Seiten der beiden Naturparks, durch die der Flämingradweg führt:

Fazit

Der Flämingradweg ist eine Strecke, die sich lohnt. Im Herbst, aber sicher auch zu anderen Jahreszeiten. Es ist eine ruhige und wenig anstrengende Strecke, ideal zum Erholen, Genießen, Entdecken und Nachdenken.

Probieren Sie es aus!

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